Über die Person
Stand des Verfahrens: abgeschlossen
Beginn des Verfahrens: Mai 2021
Ende des Verfahrens: Sommer 2024
Arbeitgeber/Institution: Kultusministerium Wiesbaden, Land Hessen, Schulaufsichtsbehörde Frankfurt am Main
Ort: Frankfurt am Main
Kampagnen-Webseite: Luca muss Lehrer bleiben!
Links zum Fall:
Spiegel-Porträt: Gerichtsprozess gegen Lehrer – Darf Luca S. nach Bengalo-Wurf noch unterrichten?
FAZ Berichterstattung: Nach Demo am 1. Mai – Prozess gegen Frankfurter Lehrer am Landgericht
Unsere Zeit – Gegendarstellung: „Mir droht Berufsverbot!“
Resolution der GEW Frankfurt: Kein Berufsverbot für Luca!
Luca Schäfer war ein unter seinen Schülern beliebter Lehrer, Personalrat seiner damaligen Schule und junger motoivierter Kollege.
Der heute Dreißigjährige arbeitet damalig als Haupt- und Realschullehrer an einer Schule in Frankfurt am Main. Er mag seine Arbeit und wird von den Schülerinnen und Schülern sowie vom Kollegium geschätzt – zudem ist er Personalrat seiner damaligen Schule und junger motoivierter Kollege. Seit Jahren engagiert sich Luca politisch und gewerkschaftlich, unter anderem in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ). Dabei setzt er sich für bessere Lern- und Arbeitsbedingungen, mehr Lehrkräfte und eine angemessene Bezahlung sowie für eine Erziehung zum Frieden ein.
Am 1. Mai 2021 nahm Luca – wie jedes Jahr – neben der DGB-Demonstration auch an einer Abenddemonstration mit Gewerkschaftern und weiteren politisch Aktiven teil. Bei einem massiven Polizeiaufgebot eskalierte die Situation und ging in eine übersichtliche Auseinandersetzung, die weder von ihm noch seiner Gruppe begonnen wurde, über. Mehrere Demonstrationsteilnehmer wurden in der Folge teilweise schwer verletzt. Luca verlor den Anschluss an seine Gruppe und befand sich allein inmitten der Auseinandersetzungen. Neben ihm lag eine Person mit einer blutenden Kopfverletzung – wie Medienberichte später klarstellten, handelte sich dabei um einen Schädelbasisbruch in Folge von Polizeigewalt. Luca hob einen nahe des Verletzten gelegenen Rauchtopf auf und warf ihn in gebückter Haltung achtlos zur Seite. Nach seiner Darstellung wollte er damit die verletzte Person schützen und Rettungsarbeiten erleichtern. Eine polizeiliche Videoaufnahme dokumentiert den Vorgang, zeigt jedoch nicht, wo der Rauchtopf landete.
Gegen Luca wurden in der Folge Vorwürfe der schweren Körperverletzung und des Landfriedensbruchs erhoben. Ihm wurde vorgeworfen, Polizeibeamte bewusst verletzt zu haben. Luca bestreitet dies bis heute: Nach seiner Darstellung ist eine entsprechende, geringfügige Verletzung durch ihn weder belegt noch intendiert gewesen. Im Nachgang berichtete er von Schikanen und Einschüchterungsversuchen. Unter anderem erhielt er einen Anruf des hessischen Verfassungsschutzes, den er als Versuch wahrnahm, ihn unter Druck zu setzen – es kam zur Verweigerung der Einstellung in das Referendariat und letztlich auch zur Kündigung seines Arbeitsverhältnisses. 28 Jahre jung stand Luca somit – aufgrund der Teilnahme an einer weitgehend friedlichen und legalen Demonstration – trotz seines ersten Staatsexamen vor dem beruflichen Aus.
Der Fall ist brisant, weil ein Strafverfahren im Zusammenhang mit einer Demonstration weitreichende Konsequenzen für Lucas berufliche Existenz barg. Die Verurteilung versperrt ihm derzeit noch immer den Zugang zum Referendariat und gefährdet damit seine Perspektive, dauerhaft in seinem Traumberuf als Lehrer zu arbeiten. Ersichtlich wurde im Laufe der Verfahren, der medialen Berichterstattung und im skandlösen Verhalten des hessischen Kultusministeriums, dass es sich insgesamt niht nur um eine Strafe für angebliches Fehlverhalten auf seiner Demonstration handelte – im Gegenteil: im Fokus der Ermittlungs- und Aufsichtsbehörden standen dezidiert sein politisches wie gewerkschaftliches Engagement. Luca gab und gibt seinen Kampf nicht auf, arbeitet weiterhin im sozialen Bereich und wird für eine Rückkehr an eine Schule juristisch wie politisch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln streiten.